Kostenloser Nahverkehr

Daniel in Information am 12.04.2018 17:34:44Uhr
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Mein Nulltarif e.V. geht an den Start.

Es ist soweit, nach monatelanger Vorbereitung, vielen Recherchen und Gesprächen und den Überwindungen erster vor allem bürokratischer Hindernisse, geht Mein Nulltarif e.V. mit einer Crowdfundingkampagne und einer Website light an den Start. Bis hierhin war es schon ganz aufregend und wir sind gespannt, was noch so alles passiert.

Unser erster Blogeintrag soll im Zeichen einer ganz grundsätzlichen, relativ theoretischen Begriffsklärung stehen und mal die Frage beleuchten: Was ist kostenloser Nahverkehr und woher kommt die Idee?

Kostenloser Nahverkehr ist - selbsterklärend - ein für Nutzer/innen frei zugängliches Angebot des ÖPNVs das sich nicht durch den Verkauf von Tickets finanziert. Die Idee eines kostenfreien Nahverkehrs wurde erstmals in den 1970er Jahren formuliert. Der Schriftsteller Josef Reding forderte bereits 1971: „Ein großflächiger Verkehrsverbund mit einheitlichem Niedrig- oder Nulltarif wäre die Lösung des Nahverkehrsproblems der Städte. Dem Menschen in den Ballungsräumen muß eine preismäßig erschwingliche Transportmöglichkeit als Grundrecht zugestanden werden.“

Welche Vorteile soll kostenloser Nahverkehr haben?

Ganz oben auf der Liste stehen Umwelt- und Soziale Aspekte. Befürworter glauben, dass ein kostenloser Nahverkehr (mit entsprechenden Begleitmaßnahmen, bspw. Angebotsausbau, bessere Auslastung, ggf. Citymaut für Autos) den motorisierten Individualverkehr zumindest in dicht besiedelten Gebieten stark eindämmen würde, was zu Verkehrsberuhigung, geringerer Lärmbelastung und weniger Unfällen im Straßenverkehr sowie einer deutlich besseren CO2-Klimabilanz (Verkehr ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte) und Einhaltung der Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub führen würde. Sozial würde es einfach eine breite und flexible Mobilitätsteilhabe ermöglichen, unabhängig von Einkommen bzw. Vermögen.

Ökonomische Aspekte ergeben sich aus einer direkten Einsparung komplexer Ticket- und Tarifsysteminfrastrukturen und damit betrauter Personenkreise (Konzeption, Verkauf, Wartung, Kontrolle). Eine verbesserte Auslastung der Verkehrskapazität führt zu einem effizienteren Betrieb und zu niedrigeren Beförderungskosten pro Fahrgast. Mehr städtische Besucher mit in Folge steigenden Einzelhandelsumsätzen können zusätzliche kommunale Einnahmen generieren.

Was wären mögliche Risiken?

Das erste was den meisten direkt in den Sinn kommt, ist die Frage: wer soll das finanzieren? Dazu gibt es aber ganz interessante Theorien und Aspekte, die wir zu einem späteren Zeitpunkt von Experten erläutern lassen. Ganz klar ist, dass natürlich das Angebot angepasst und verbessert werden müsste und steigende Fahrgastzahlen einen Ausbau des Liniennetzes nach sich ziehen würde. In diesen Ausbau, sowie in die Gewährleistung eines geregelten störunanfälligen ÖPNV müsste sicher erstmal investiert werden. Außerdem fühlen sich Autofahrer/innen oft flexibler und mobiler - ein Argument, dem man aber mit einem besseren Angebot begegnen könnte. Andere fahren auch einfach gern Auto - sogar in der Stadt. Deshalb erfolgt der Umstieg von Autofahrer/innen auf den ÖPNV erfolgt nicht zwangsläufig im prognostizierten Maße und sicherlich nicht unmittelbar. Oder vielleicht ist es ganz umgekehrt: ein eigentlich wünschenswerter (zu) starker Zuspruch würde eine Kofinanzierung z.B. durch eine City-Maut oder Parkplatzgebühren unterminieren. Zudem könnte es vermehrt zu Kurzstreckenfahrgästen kommen, Fußgänger/innen und Radfahrende - eine eigentlich wünschenswerte Gruppe von Verkehrsteilnehmer/innen - könnten vermehrt auf den ÖPNV umsteigen (was umgekehrt aber auch den Effekt hätte, dass vor allem Radfahrer/innen als besonders gefährdete Verkehrsteilnehmende sicherer ans Ziel kämen). Und klar ist natürlich auch: Rushhour bleibt rushhour - ein kostenloser ÖPNV kann keine zeitliche Verschiebung von Verkehren aus der Spitzenlastzeit in Schwachlastzeiten leisten.

Fazit: Wir finden, dass die oben genannten Vorteile und ein gleichberechtigter Zugang zu Angeboten des ÖPNVs unschlagbare Argumente sind, weshalb wir die Idee eines kostenfreien Nahverkehrs vorantreiben wollen. Es ist wichtig, dass die Diskussion um einen kostenlosen Nahverkehr nicht abebbt, denn es signalisiert, dass sich viele Menschen einen fairen Zugang zu Angeboten des ÖPNV und bessere Alternativen zum Auto in der Stadt wünschen. Wir erleben ganz akut, was der motorisierte Straßenverkehr gerade in Ballungsräumen anrichtet. Halbherzige Fahrverbote aufgrund zu hoher Feinstaubbelastungen ohne gleichzeitige Entlastung durch einen nachhaltigen ÖPNV und einen einfacheren Zugang zu demselben halten wir für nicht zielführend. Harte Strafen wegen Fahrens ohne gültiges Ticket halten wir im Vergleich für unverhältnismäßig und zutiefst unfair und unsozial.

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